Schimmel in der Fasssauna vermeiden — Ursachen, Vorbeugung & Entfernung
Schimmel ist das häufigste Problem bei Fasssaunen und der Grund Nummer eins für vorzeitigen Holzaustausch. In Saunaforen taucht das Thema wöchentlich auf — von leichten grauen Flecken auf den Bänken bis zu komplettem Schwarzschimmelbefall, der die Sauna unbrauchbar macht. Dabei ist die Vermeidung überraschend einfach — wenn man die Ursachen versteht.
Warum schimmelt eine Fasssauna?
Die Gleichung ist simpel: Feuchtigkeit + Wärme + keine Luftzirkulation = Schimmel.
Beim Saunieren entsteht durch den Aufguss und den Körperschweiß erhebliche Feuchtigkeit. In einer 4-Personen-Sauna können pro Sitzung 2-4 Liter Wasser als Dampf in die Luft gelangen.[1] Dieses Wasser kondensiert beim Abkühlen auf den Holzoberflächen — besonders an:
- Unterseite der Sitzbänke: Hier staut sich die feuchteste Luft, weil warmer Dampf aufsteigt und an der kühleren Bankunterseite kondensiert
- Ecken und Fugen zwischen den Dauben: In den Rillen sammelt sich Kondenswasser und trocknet am langsamsten
- Innenseite der Tür: Der kälteste Punkt der Sauna — hier bildet sich am meisten Kondenswasser
- Bodenbereich unter den Bänken: Wasser tropft von Bänken und Aufguss herunter und bildet Pfützen
- Rückseite des Ofens: Der Bereich hinter dem Ofen wird schlecht belüftet und bleibt feucht
Wenn diese Feuchtigkeit nicht innerhalb von 24 Stunden abtrocknet, beginnen Schimmelsporen zu keimen. Bei idealen Bedingungen (25-35°C, 70%+ Luftfeuchtigkeit) kann sichtbarer Schimmelbefall schon nach 48 Stunden auftreten.
Warum Fasssaunen anfälliger sind als Innensaunen
Eine Fasssauna steht draußen — sie ist Regen, Schnee, Morgentau und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Während eine Innensauna im beheizten Keller relativ schnell austrocknet, kämpft die Außensauna zusätzlich gegen die Umgebungsfeuchtigkeit an. Besonders im Herbst und Frühjahr, wenn die Tagestemperaturen zwischen 5 und 15°C schwanken, bildet sich morgens Kondenswasser an der kalten Holzinnenseite — selbst wenn die Sauna nicht benutzt wurde.
Zudem sind Fasssaunen aus Massivholz gebaut (keine Dampfsperre, keine Isolierung wie bei Kabinensaunen). Das Holz nimmt die Feuchtigkeit direkt auf und gibt sie nur langsam wieder ab. Das ist bei guter Belüftung kein Problem — bei schlechter Belüftung aber der perfekte Nährboden für Schimmel.
7 Maßnahmen zur Schimmelvorbeugung
1. Nach jedem Saunagang lüften (Pflicht!)
Die wichtigste Regel: Nach dem letzten Saunagang Tür und Lüftungsöffnungen vollständig öffnen. Mindestens 30-60 Minuten, besser über Nacht. Die Restwärme des Ofens trocknet die Feuchtigkeit aus dem Holz.
2. Bänke hochstellen oder ankippen
Wenn deine Bänke nicht fest montiert sind: Stelle sie nach dem Saunieren hochkant, damit die Unterseite trocknen kann. Dort sammelt sich die meiste Feuchtigkeit.
3. Bodenrost verwenden
Ein Bodenrost aus Holz oder Kunststoff hält deine Füße vom Kondenswasser fern und verbessert die Luftzirkulation am Boden. → Bodenrost-Test
4. Regelmäßig Aufheizen (auch ohne Saunieren)
Wenn du die Sauna 2-3 Wochen nicht nutzt: Heize sie einmal auf 80-90°C auf (15-20 Minuten reichen) und lüfte danach gründlich. Das tötet Schimmelansätze ab und trocknet das Holz durch. Besonders wichtig im Herbst und Frühjahr.
5. Kein stehendes Wasser
Aufgusswasser, das auf den Boden läuft, muss ablaufen können. Prüfe, ob deine Sauna einen Ablauf oder zumindest eine leichte Neigung hat. Pfützen = Schimmelgarantie.
6. Richtige Lüftungsöffnungen
Eine Fasssauna braucht mindestens zwei Lüftungsöffnungen:
- Zuluft: Unten, in der Nähe des Ofens (frische Luft wird angesaugt und erwärmt)
- Abluft: Oben, gegenüber vom Ofen (verbrauchte, feuchte Luft entweicht)
Beide sollten nach dem Saunieren offen bleiben. → Belüftungs-Guide
7. Holz behandeln (innen mit Vorsicht)
Für die Innenseite: Nur spezielle Saunaöle auf Paraffin-Basis (z.B. Tikkurila Supi Saunavaha). Diese versiegeln die Poren, ohne gesundheitsschädliche Dämpfe bei Hitze abzugeben. Keine Lacke, keine normalen Holzschutzmittel im Innenraum!
Für die Außenseite: Holzöl mit UV-Schutz, 1-2× jährlich. → Holzpflege-Guide
Schimmel erkennen
- Weißer/grauer Flaum: Früher Befall, meist oberflächlich. Lässt sich gut entfernen
- Schwarze Flecken: Fortgeschrittener Befall (oft Aspergillus niger). Sitzt tiefer im Holz
- Muffiger Geruch: Auch ohne sichtbaren Schimmel — prüfe die Bankunterseiten und Fugen
- Verfärbtes Holz: Bläuliche oder grünliche Verfärbungen können Schimmel oder Bläuepilz sein
Schimmel entfernen — Schritt für Schritt
Leichter Befall (oberflächlich, weiß/grau)
- Sauna gut lüften (nicht aufheizen — Sporen nicht verteilen!)
- Mit Schleifpapier (120er Körnung) befallene Stellen abschleifen
- Mit Essigessenz-Lösung (1:1 mit Wasser) abwischen
- 24 Stunden trocknen lassen
- Optional: Saunaöl auftragen
- Einmal auf 90-100°C aufheizen (desinfiziert)
Starker Befall (schwarz, tief im Holz)
- Befallene Holzteile (Bänke, Dauben) ausbauen
- Durch neues Holz ersetzen
- Umliegendes Holz mit Essigessenz behandeln
- Ursache finden und beheben (Belüftung verbessern!)
Saisonale Risiken im Detail
Herbst (September-November) — Höchstes Risiko
Die gefährlichste Jahreszeit für Fasssaunen. Die Temperaturen fallen, die Luftfeuchtigkeit steigt, und viele Saunabesitzer machen eine Nutzungspause. Die Kombination aus feuchter Herbstluft, Morgentau auf dem Holz und fehlender Aufheizung ist perfekt für Schimmelwachstum. Wenn du deine Sauna im Herbst 2-3 Wochen nicht nutzt, heize sie mindestens einmal pro Woche kurz auf (15-20 Minuten bei 80°C reichen) und lüfte gründlich.
Winter (Dezember-Februar) — Mittleres Risiko
Kalte, trockene Luft ist weniger schimmelfördernd als feuchte Herbstluft. Aber: Wenn du die Sauna nutzt und danach nicht ausreichend lüftest, gefriert das Kondenswasser an den Innenwänden. Beim nächsten Tauwetter wird es flüssig und kriecht in die Holzfugen. Tipp: Nach dem Saunagang bei Frost die Tür für 30 Minuten offenlassen — die Restwärme des Ofens verdampft die Feuchtigkeit, bevor sie gefrieren kann. → Winterfest-Anleitung
Frühling (März-Mai) — Check-Zeit
Nach der Winterpause ist der gründliche Frühjahrs-Check Pflicht. Prüfe alle Holzflächen auf Verfärbungen, insbesondere Bankunterseiten und Fugen. Leichter Befall, der sich im Winter unbemerkt gebildet hat, lässt sich jetzt noch einfach entfernen. → Frühjahrs-Check Anleitung
Sommer (Juni-August) — Geringstes Risiko
Warme, trockene Luft ist der natürliche Feind von Schimmel. Die Sauna trocknet nach dem Saunieren schnell aus, die UV-Strahlung hemmt zusätzlich das Pilzwachstum. Trotzdem die Grundregel beachten: Nach jedem Gang lüften. Im Hochsommer kann die geschlossene Sauna in der Sonne auf 50-60°C aufheizen — das allein reicht nicht zum Desinfizieren, fördert aber die Trocknung.
Holzarten und Schimmelanfälligkeit
Nicht jedes Holz ist gleich anfällig:
→ Ausführlicher Vergleich aller Holzarten: Welches Holz für die Fasssauna?
Fazit: Schimmel ist vermeidbar
Die goldene Regel
Lüften, lüften, lüften. Wer nach jedem Saunagang die Tür öffnet und 30-60 Minuten trocknen lässt, wird mit Schimmel nie ein Problem haben. Das kostet null Euro und 10 Sekunden Aufwand.
Wenn du deine Sauna 2+ Wochen nicht nutzt: Einmal kurz aufheizen und lüften. Das war's.