Fasssauna aus Lärchenholz — Robust, regional und unterschätzt

💡 Gut zu wissen: Die europäische Lärche (Larix decidua) ist der einzige einheimische Nadelbaum, der seine Nadeln im Winter abwirft. Und sie ist das härteste Nadelholz Europas — härter als Fichte, Kiefer und Tanne. In den Alpen werden seit Jahrhunderten Holzhäuser und Almhütten aus Lärche gebaut, die über 200 Jahre halten. Das spricht für sich.

Lärche ist mein Holz-Geheimtipp für Fasssaunen: deutlich robuster als Fichte, günstiger als Cedar, und wächst direkt vor der Haustür (okay, eher in den Alpen, aber immerhin in Europa). Der einzige Haken: Lärche harzt. Und in einer Sauna bei 80 °C kann das unangenehm werden.

In diesem Ratgeber analysiere ich Lärchenholz objektiv — wann es die richtige Wahl ist und wann du besser zu Thermokiefer greifst.

Eigenschaften der europäischen Lärche

Eigenschaft Europäische Lärche
Botanischer Name Larix decidua
Herkunft Alpenraum (Österreich, Schweiz, Südtirol), Mitteleuropa
Dauerhaftigkeitsklasse 3–4 (mäßig bis wenig dauerhaft) — nach EN 350
Rohdichte 550–590 kg/m³ (schwer für Nadelholz)
Brinell-Härte 1,9 HB — härtestes heimisches Nadelholz
Farbe Rötlich-braun (Kern), gelblich-weiß (Splint)
Harzgehalt Hoch — harzt bei Wärme sichtbar aus

Vorteile für Fasssaunen

1. Härte und Robustheit

Lärche ist fast doppelt so hart wie Fichte (1,9 vs. 1,2 HB). Das bedeutet: weniger Dellen, weniger Kratzer, längere Lebensdauer der Oberfläche. Besonders bei Fasssaunen, die Wind und Wetter ausgesetzt sind, zahlt sich das aus.

2. Natürliche Witterungsbeständigkeit

Der hohe Harzgehalt schützt das Holz natürlich vor Feuchtigkeit und Pilzen. Lärche wird seit Jahrhunderten für Außenanwendungen eingesetzt: Fassaden, Terrassen, Zaunpfähle, Brücken. Ohne chemische Behandlung überlebt Lärche im Außenbereich 15–25 Jahre.

3. Schöne Maserung

Lärche hat eine ausgeprägte, lebhafte Maserung mit deutlichem Unterschied zwischen Früh- und Spätholz. Die rötlich-braune Kernholzfarbe ist wärmer und edler als das blasse Fichte-Weiß.

4. Regional und nachhaltig

Lärche wächst in Europa — kurze Transportwege, keine Regenwald-Problematik wie bei Cedar. FSC-zertifizierte Lärche aus alpiner Forstwirtschaft ist ökologisch eine hervorragende Wahl.

5. Preis-Leistung

Teurer als Fichte (+30–50 %), aber deutlich günstiger als Cedar (-40–60 %). Lärche bietet gutes Preis-Leistungs-Verhältnis als „gehobene Mittelklasse".

Nachteile & das Harz-Problem

1. Harzaustritt bei Hitze

Das größte Problem: Lärche harzt. Bei 70–90 °C Saunatemperatur tritt flüssiges Harz aus den Harzkanälen — klebrig, schwer zu entfernen und unangenehm auf nackter Haut. Besonders in den ersten 1–2 Jahren nach dem Bau kann das erheblich sein.

Gegenmaßnahmen:

2. Formveränderung

Lärche quillt und schwindet stärker als Thermokiefer oder Cedar. Die Spanngurte müssen häufiger nachgezogen werden, besonders im ersten Jahr. Mehr dazu: Spanngurte-Guide.

3. Gewicht

Mit 550–590 kg/m³ ist Lärche deutlich schwerer als Fichte (420 kg/m³) oder Cedar (350 kg/m³). Eine Lärchen-Fasssauna wiegt 20–40 % mehr — relevant für Transport und Fundamentplanung.

4. Rissbildung

Lärche neigt zu Trocknungsrissen, besonders bei schnellem Feuchtigkeitswechsel (nassem Herbst → trockenem Frost). Die Risse sind meist nur oberflächlich und beeinträchtigen die Stabilität nicht, sehen aber nicht schön aus.

Außen vs. Innen — Wo Lärche einsetzen?

Bereich Lärche? Empfehlung
Außenhülle (Dauben) ✅ Sehr gut Ideal — hart, witterungsbeständig, schöne Patina
Stirnwände ✅ Gut Funktioniert, aber Hirnholz trocknet schneller → Rissbildung möglich
Innere Sitzbänke ⚠️ Bedingt Harz-Problem! Besser: Espe, Erle oder Abachi für Sitzflächen
Bodenrost ✅ Gut Robust genug für den Fußboden, Harz weniger problematisch (Füße)
Vorraum ✅ Sehr gut Niedrigere Temperaturen → weniger Harzaustritt
💡 Mein Tipp: Die beste Kombination: Lärche außen (Dauben) + Espe/Erle innen (Bänke). So nutzt du die Witterungsbeständigkeit der Lärche für die Außenhülle und vermeidest das Harz-Problem bei den Sitzflächen. Einige Premium-Hersteller bieten genau diese Kombination an.

Vergleich mit anderen Holzarten

Eigenschaft Lärche Thermokiefer Fichte Cedar
Härte (Brinell) 1,9 1,5 1,2 1,1
Harzaustritt Stark ⚠️ Minimal Mäßig Kein
Haltbarkeit (Jahre) 12–18 12–20 8–12 15–25
Preis (4-Pers.) 3.500–7.000 € 3.000–6.000 € 1.800–3.500 € 5.000–9.000 €
Herkunft Europa (Alpen) Europa (Finnland) Europa Nordamerika

Pflege & Behandlung

Europäische vs. Sibirische Lärche

Manche Hersteller bieten „Sibirische Lärche" (Larix sibirica) an — angeblich noch robuster und engmaschiger als die europäische Variante. Meine Einschätzung:

Meine Empfehlung: Europäische Lärche aus zertifizierter Forstwirtschaft. Garantiert nachhaltig, nachprüfbare Herkunft, qualitativ gleichwertig.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Lärchenholz gut für Fasssaunen?

Ja, besonders für die Außenhülle — hart, witterungsbeständig, schöne Maserung. Für Innenbänke wegen Harzaustritt eher Espe oder Erle verwenden.

Wie lange hält eine Lärchen-Fasssauna?

12–18 Jahre bei guter Pflege. Robuster als Fichte, vergleichbar mit Thermokiefer.

Harzt Lärche in der Sauna?

Ja — das ist der Hauptnachteil. Gegenmaßnahmen: Lärche nur außen, Bänke aus Espe/Erle, Sauna vor Erstnutzung mehrmals leer aufheizen.

Thomas Berger
Thomas Berger arbeitet als Schreiner regelmäßig mit Lärchenholz — für Terrassen, Fassaden und Gartenmöbel. Die Stärken und Schwächen dieses Holzes kennt er aus 15+ Jahren Praxis. Mehr über uns →

Quellen

  1. EN 350: Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten — Prüfung und Klassifikation
  2. Holzforschung Austria: Technisches Merkblatt Europäische Lärche
  3. FSC Deutschland: Zertifizierung alpiner Forstwirtschaft
  4. Eigene Erfahrung: 15+ Jahre Arbeit mit Lärchenholz (Schreinerausbildung + Praxis)