Fasssauna Kaminrohr & Schornstein — Richtig planen, sicher montieren
Der Holzofen ist das Herzstück vieler Fasssaunen — aber ohne korrektes Kaminrohr ist er nutzlos und gefährlich. Der Schornstein einer Fasssauna muss Rauch ableiten, Hitze standhalten, gegen Regen schützen und den Schornsteinfeger zufriedenstellen. Klingt kompliziert? Ist es nicht — wenn man weiß, worauf es ankommt.
Dieser Guide erklärt alles von der Materialwahl bis zur Abnahme — mit konkreten Produktempfehlungen und den häufigsten Fehlerquellen.
Aufbau eines Fasssauna-Schornsteins
Der Schornstein einer Fasssauna besteht aus wenigen, aber sicherheitskritischen Komponenten. Jedes Teil hat eine Funktion — und keines darf fehlen.
Die Komponenten von unten nach oben
Ofenstutzen
Der Anschluss am Ofen selbst. Durchmesser wird vom Ofen vorgegeben (meist 115mm oder 130mm). Hier sitzt oft ein kurzes einwandiges Rohr (Wandstärke 1,5-2mm), das direkt in den Ofen gesteckt wird.
Innenrohr (einwandig)
Vom Ofen bis zur Dachdurchführung. Einwandiges Edelstahlrohr ist hier zulässig, weil es noch im geschützten Innenraum liegt. Gibt zusätzlich Strahlungswärme an die Sauna ab — ein netter Nebeneffekt.
Dachdurchführung
Das kritischste Bauteil. Hier trifft das heiße Rohr auf das Holz der Fasssauna. Eine Brandschutzmanschette (Silikon + Edelstahl) isoliert die Durchführung. Ohne sie: akute Brandgefahr.
Außenrohr (doppelwandig)
Ab der Dachdurchführung muss das Rohr doppelwandig sein (isoliert). Das schützt vor Kondensation, Korrosion durch Wetter und reduziert die Oberflächentemperatur (Verbrennungsschutz, Brandschutz).
Regenhaube / Funkenschutz
Oben auf dem Rohr: Eine Regenkappe mit Funkenschutzgitter. Hält Regen, Schnee und Laub raus und verhindert Funkenflug. Das Gitter fängt glühende Partikel ab — besonders wichtig bei trockenem Garten.
Wandrosette / Blende
Edelstahl-Blende an der Dachdurchführung (innen und außen). Schließt den Spalt zwischen Rohr und Holz optisch und funktional ab. Verhindert Zugluft und Wassereinritt.
Material: Edelstahl, verzinkt oder Keramik?
Edelstahl V2A (1.4301) — Der Standard
Das mit Abstand häufigste Material für Fasssauna-Kaminrohre. V2A-Edelstahl ist rostfrei, hitzebeständig (bis ~600°C) und optisch ansprechend. Für die meisten Fasssaunen die richtige Wahl.
- Vorteile: Korrosionsbeständig, leicht, lange Lebensdauer (15-25 Jahre), erschwinglich
- Nachteile: Bei Salzluft (Küste) oder bestimmten Holzarten (z.B. Eiche → Gerbsäure) kann es zu Lochfraß kommen
- Preis: Komplett-Set ab ~150€
Edelstahl V4A (1.4404/1.4571) — Das Upgrade
Säurebeständiger Edelstahl mit Molybdän-Anteil. Noch korrosionsbeständiger als V2A — sinnvoll bei Küstennähe, feuchtem Klima oder wenn Nadelholz mit viel Harz verbrannt wird (Harz erzeugt säurehaltige Abgase).
- Vorteile: Maximale Korrosionsbeständigkeit, längste Lebensdauer
- Nachteile: 30-50% teurer als V2A
- Preis: Komplett-Set ab ~250€
Verzinkter Stahl — Finger weg
Nicht empfehlenswert für Fasssaunen. Verzinkter Stahl rostet nach 2-5 Jahren durch (Outdoor-Witterung + Kondensat im Rohr). Außerdem: Bei über 400°C löst sich die Zinkschicht und setzt giftige Zinkdämpfe frei. Manche billige Fasssauna-Sets enthalten trotzdem verzinkte Rohre — sofort austauschen.
Keramik / Schamotte — Überdimensioniert
Keramikschornsteine (wie für Hausfeuerstätten) sind für Fasssaunen nicht nötig und nicht praktikabel. Zu schwer, zu aufwändig, zu teuer. Edelstahl reicht für die Leistungsklasse (15-25 kW) eines Saunaofens völlig aus.
Der richtige Durchmesser
Der Durchmesser des Kaminrohrs wird vom Ofen vorgegeben — nicht andersherum. Ein zu kleines Rohr erzeugt Rückstau (Rauch drückt in die Sauna), ein zu großes mindert den Zug.
Gängige Durchmesser bei Fasssauna-Holzöfen
- 115 mm: Kleine Öfen (bis ~16 kW) — z.B. Harvia M3 WO, viele finnische Kompaktöfen
- 130 mm: Mittlere bis große Öfen (16-25 kW) — z.B. Narvi, IKI, einige Harvia-Modelle
- 150 mm: Große Öfen (ab 25 kW) — bei Fasssaunen selten, eher für Blockhaussaunen
Einwandig vs. Doppelwandig — Wo was?
- Einwandig (Wandstärke 0,6-2mm): Nur im Innenraum der Sauna — vom Ofen bis zur Dachdurchführung. Vorteil: Gibt Wärme an die Sauna ab.
- Doppelwandig (25-50mm Isolierung): Ab der Dachdurchführung nach außen. Pflicht im Freien. Die Isolierung (meist Mineralwolle) verhindert Kondensation und hält die Außentemperatur des Rohrs unter 80°C.
Dachdurchführung — Das kritischste Detail
Die Dachdurchführung ist die häufigste Fehlerquelle bei Fasssauna-Schornsteinen. Hier treffen extreme Hitze (300-400°C am Rohr) auf brennbares Holz. Ohne professionelle Lösung droht Brandgefahr.
Anforderungen an die Dachdurchführung
- Brandschutzabstand: Mindestens 50mm Luft zwischen Rohr und Holz (herstellerabhängig, oft mehr)
- Brandschutzmanschette: Edelstahl-Durchführungsplatte mit feuerfester Isolierung (Silikon, Mineralwolle, Calciumsilikat)
- Regendichtung: Die Durchführung muss von außen wasserdicht sein — bei der runden Fasssauna-Oberfläche eine Herausforderung
- Thermische Ausdehnung: Das Rohr dehnt sich bei Hitze aus (mehrere mm). Die Durchführung muss diese Bewegung aufnehmen können
Lösungen für die Fasssauna-Rundung
Anders als bei einer flachen Decke (Innensauna) hat die Fasssauna eine gewölbte Oberfläche. Standardmäßige flache Dachdurchführungen passen nicht. Lösungen:
✅ Flexible Silikonmanschette
Passt sich der Rundung an. Hitzebeständig bis 200-300°C. Die beliebteste Lösung für Fasssaunen. Wird mit Edelstahlband auf der Fasssauna fixiert. Preis: 30-60€.
✅ Gewinkelte Edelstahl-Platte
Speziell für Fasssaunen gebogene Edelstahlplatte. Teurer, aber langlebiger und optisch sauberer. Wird oft vom Fasssauna-Hersteller als Zubehör angeboten. Preis: 60-120€.
Rohrhöhe: Wie hoch muss das Kaminrohr sein?
Die Höhe des Kaminrohrs beeinflusst den Zug (Naturzug durch Thermik) und ist gesetzlich geregelt.
Mindesthöhen nach Vorschrift
- 1. BImSchV §19: Mündung mindestens 40 cm über den First des Gebäudes (bei Fasssaunen: über den höchsten Punkt der Tonne)
- Praxis-Empfehlung: Mindestens 1 Meter über Dachdurchführung — je höher, desto besser der Zug
- Abstandsregel: Kaminmündung muss mindestens 1 Meter von brennbaren Bauteilen entfernt sein (Dachüberstände, Holzwände)
- Bei Nachbarbebauung: Wenn innerhalb von 15m ein Fenster oder eine Tür liegt: Mündung mindestens 1m über Oberkante dieses Fensters
Was passiert bei zu kurzem Rohr?
- Schlechter Zug: Rauch zieht nicht richtig ab → qualmt in die Sauna zurück
- Schornsteinfeger-Ablehnung: Zu kurz = keine Abnahme = keine legale Nutzung
- Funkenflug: Bei zu kurzem Rohr können Funken auf das Holzdach oder die Bepflanzung fallen
Was passiert bei zu langem Rohr?
Zu lang ist selten ein Problem. Langer Schornstein = starker Zug = gute Verbrennung. Einziger Nachteil: Optik (ein 2m-Rohr auf einer kleinen Fasssauna sieht unproportional aus) und Wind-Empfindlichkeit (langes Rohr schwingt bei Sturm — Abspannung nötig).
Die 7 häufigsten Fehler beim Fasssauna-Schornstein
❌ 1. Verzinkte Rohre verwenden
Rosten schnell durch, setzen giftige Zinkdämpfe frei. Immer Edelstahl (V2A oder V4A).
❌ 2. Einwandiges Rohr im Freien
Ab der Dachdurchführung muss das Rohr doppelwandig sein. Einwandig im Außenbereich → Kondensation → Rost → Undichtigkeit → Brand.
❌ 3. Kein Funkenschutzgitter
Funken können auf trockenen Rasen, Hecken oder das eigene Dach fliegen. Ein Funkenschutzgitter (Maschenweite 0,5-1mm) ist Pflicht und kostet nur 10-20€.
❌ 4. Falscher Durchmesser
Adapter-Stücke zwischen verschiedenen Durchmessern sind Schwachstellen. Immer den vom Ofen vorgegebenen Durchmesser durchgängig verwenden.
❌ 5. Dachdurchführung mit Baumarkt-Silikon
Normales Silikon schmilzt bei den Temperaturen. Nur hitzebeständiges Ofensilikon (1.200°C+) oder spezielle Silikonmanschetten verwenden.
❌ 6. Keine Regenkappe
Ohne Regenkappe läuft Wasser ins Rohr und in den Ofen. Korrosion von innen, Rost, und beim nächsten Anheizen: Dampfschlag. Immer Regenhaube montieren.
❌ 7. Schornsteinfeger ignorieren
Ohne Abnahme: Kein Versicherungsschutz. Bei einem Brand zahlt die Gebäudeversicherung nicht — und der Schaden kann schnell sechsstellig werden.
Schornsteinfeger-Abnahme: So läuft's
In Deutschland muss jede Feuerstätte vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger abgenommen werden — auch ein Saunaofen mit Holzbefeuerung. Das Verfahren ist unkomplizierter als viele denken.
Schritt für Schritt
- Vor der Installation: Zuständigen Bezirksschornsteinfeger kontaktieren (Online-Suche: „Schornsteinfeger [deine PLZ]"). Kurz beschreiben: „Fasssauna mit Holzofen, Edelstahl-Kaminrohr."
- Vorab-Beratung: Viele Schornsteinfeger kommen kostenlos für eine Vorab-Beratung. Sie sagen dir genau, was sie für die Abnahme brauchen (Rohrhöhe, Abstände, Dokumentation).
- Installation durchführen
- Abnahme-Termin: Schornsteinfeger kommt, prüft Abstände, Material, Höhe, Dachdurchführung, Funkenschutz
- Bescheinigung: Bei Bestehen erhältst du eine Feuerstätten-Bescheinigung. Diese für die Versicherung aufbewahren.
Was prüft der Schornsteinfeger?
- Brandschutzabstände zu brennbaren Materialien
- Material und Zustand des Kaminrohrs
- Höhe der Mündung über Dach
- Dachdurchführung und Dichtigkeit
- Funkenschutzgitter
- Zugverhältnisse (Probeheizen)
- Aufstellung des Ofens (Bodenplatte, Abstand zu Wänden)
Kosten der Abnahme
50-120€ — variiert je nach Bundesland und Aufwand. Die Vorab-Beratung ist oft kostenlos. Die Abnahme ist eine einmalige Pflicht — danach nur noch regelmäßige Fegung (1×/Jahr bei gelegentlicher Nutzung, ~40-60€/Jahr).
Ausführliche Infos zur Schornsteinfeger-Pflicht findest du in unserem Schornsteinfeger-Guide.
Kosten-Übersicht: Kaminrohr komplett
Spar-Tipp: Viele Ofenhersteller bieten Kaminrohr-Komplettsets an, die 20-30% günstiger sind als Einzelkomponenten. Achte darauf, dass das Set alle Komponenten enthält (inklusive Funkenschutz und Dachdurchführung) — bei Billig-Sets fehlen oft kritische Teile.
Empfohlene Kaminrohr-Sets auf Amazon:
Häufige Fragen
Kann ich das Kaminrohr selbst montieren?
Die Montage selbst ist mechanisch einfach (Stecksystem). Du kannst das Rohr selbst zusammenbauen und montieren. Aber: Die Schornsteinfeger-Abnahme muss vor der ersten Nutzung erfolgen. Tipp: Vorher beraten lassen, dann montieren, dann abnehmen lassen.
Wie oft muss das Kaminrohr gereinigt werden?
Bei gelegentlicher Nutzung (1-2×/Woche): 1× pro Jahr Ruß entfernen und Rohr inspizieren. Bei täglicher Nutzung: 2× pro Jahr. Die Fegung kannst du selbst machen (Besen + Asche auffangen). Die offizielle Feuerstätten-Schau durch den Schornsteinfeger ist alle 2-3 Jahre fällig.
Kann ich das Rohr seitlich statt oben herausführen?
Grundsätzlich ja — mit einem 90°-Bogen oder T-Stück seitlich durch die Wand und dann außen nach oben. Aber: Jeder Bogen verringert den Zug. Mehr als 2 Bögen sind problematisch. Der gerade Weg nach oben durch das Dach ist immer die beste Lösung — einfacher, besserer Zug, weniger Fehlerquellen.
Muss ich das Kaminrohr im Winter abbauen?
Nein. Edelstahl-Kaminrohre sind wetterfest und können ganzjährig montiert bleiben. Im Gegenteil: Im Winter ist die Sauna am schönsten! Lediglich die Regenhaube prüfen (Schnee, Eis, Laub) und vor dem ersten Anheizen nach längerer Pause kurz ins Rohr schauen (Vogelnester, Spinnennetze können den Zug behindern).
Braucht ein Elektroofen auch ein Kaminrohr?
Nein, definitiv nicht. Nur Holzöfen erzeugen Rauch und brauchen einen Schornstein. Elektroöfen brauchen lediglich einen Stromanschluss. Das ist einer der Hauptvorteile von Elektroöfen: Kein Schornstein, kein Schornsteinfeger, keine Feinstaubverordnung.
Fazit: Richtig geplant, kein Hexenwerk
Ein Kaminrohr für die Fasssauna ist kein kompliziertes Projekt — solange du die Grundregeln beachtest: Edelstahl (V2A oder besser), doppelwandig ab Dachdurchführung, Funkenschutz oben drauf, und vor der ersten Nutzung den Schornsteinfeger kommen lassen.
Die Investition (200-500€ für Material + Abnahme) ist überschaubar und ein einmaliger Aufwand. Dafür bekommst du das authentische Holzofen-Saunaerlebnis — mit knisterndem Feuer, natürlicher Wärme und dem unverwechselbaren Duft von Holz.
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